Aktien lernen als Jugendlicher: Was die Schule auslässt und wie du anfängst
80 Prozent der 14- bis 24-Jährigen sagen, sie hätten in der Schule kaum etwas über Finanzen gelernt. Hier sind die fünf Begriffe, mit denen du anfängst, und die Wege, auf denen du ohne Geld übst.
Die Ausgangslage in drei Zahlen
Der Bundesverband deutscher Banken hat im November 2024 eine Jugendstudie veröffentlicht. Drei Ergebnisse daraus: 80 Prozent der 14- bis 24-Jährigen geben an, in der Schule wenig oder so gut wie nichts über Wirtschaft und Finanzen gelernt zu haben. 27 Prozent können nicht sagen, was eine Aktie ist, bei jungen Frauen sind es rund 40 Prozent. Und 92 Prozent wünschen sich mehr Wirtschafts- und Finanzwissen in der Schule.
Gleichzeitig legen immer mehr junge Leute an. Nach den Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts besaßen 2025 rund 4,9 Millionen Menschen unter 40 in Deutschland Aktien, Aktienfonds oder ETFs, 1,2 Millionen mehr als im Jahr davor. Das Interesse ist also da, das Wissen hinkt hinterher. Was du brauchst, ist kein Studium, sondern fünf Begriffe und einen Ort zum Üben.
Fünf Begriffe, die du wirklich brauchst
1. Aktie
Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen. Wer eine Apple-Aktie besitzt, besitzt einen winzigen Teil von Apple: von den Fabriken, den Marken, den Gewinnen. Unternehmen geben Aktien aus, um Geld einzusammeln, ohne einen Kredit aufzunehmen. Für dich heißt das: Du bist Miteigentümer, nicht Kreditgeber, und du bekommst keine Zinsen, sondern trägst mit, wie es der Firma geht.
2. Kurs
Der Kurs ist der Preis, zu dem die Aktie gerade gehandelt wird. Er entsteht an der Börse aus Angebot und Nachfrage: Wollen mehr Leute kaufen als verkaufen, steigt er, sonst fällt er. Der Kurs ist keine Note für die Firma, sondern der Durchschnitt dessen, was alle Beteiligten gerade erwarten. Deshalb kann eine gute Firma einen fallenden Kurs haben, wenn alle noch mehr erwartet hatten.
3. Index
Ein Index fasst viele Aktien zu einer Zahl zusammen. Der DAX bildet die 40 größten deutschen Börsenunternehmen ab, der S&P 500 rund 500 große US-Unternehmen. Wenn „der Markt“ steigt, ist ein Index gemeint. Der Index ist dein Maßstab: Wer besser sein will als der Markt, muss ihn erst einmal schlagen, und das gelingt auch Profis selten dauerhaft.
4. Dividende
Manche Unternehmen zahlen einen Teil ihres Gewinns an die Aktionäre aus, meist einmal im Jahr. Das ist die Dividende. Am Tag der Auszahlung sinkt der Kurs rechnerisch um diesen Betrag, weil das Geld jetzt beim Aktionär liegt statt in der Firma. Gewinn mit Aktien entsteht also aus zwei Quellen: Kurssteigerung und Dividende.
5. Streuung
Wer alles auf eine Aktie setzt, hängt an einer Firma. Wer auf fünf, zehn oder fünfhundert verteilt, hängt an vielen, und die schlechte Nachricht bei einer trifft nur einen kleinen Teil. Streuung ist der einfachste Schutz gegen Risiko, und sie ist der Grund, warum viele Anleger Fonds oder ETFs kaufen statt einzelner Aktien.
Warum Kurse sich bewegen
An einem normalen Tag bewegen sich große Aktien meist um weniger als ein Prozent. Größere Sprünge gibt es, wenn neue Informationen auftauchen: Quartalszahlen, ein neues Produkt, ein Rückruf, eine Zinsentscheidung der Zentralbank, Nachrichten über die Konjunktur. Dabei zählt weniger, ob die Nachricht gut oder schlecht ist, sondern ob sie besser oder schlechter war als erwartet. Darum reagiert ein Kurs manchmal auf eine Nachricht gar nicht: Sie war schon eingepreist.
Was daraus folgt: Kurse lassen sich nicht vorhersagen, auch nicht von Leuten, die das behaupten. Wer dir sichere Gewinne, Geheimtipps oder eine Formel verspricht, verkauft dir etwas, meistens sich selbst. Lernen heißt hier, Zusammenhänge zu verstehen, nicht die nächste Bewegung zu raten.
Wo du lernen kannst
- Schule und AGs. Wo es Wirtschaft als Fach oder eine Börsen-AG gibt, ist das der einfachste Einstieg. Frag nach, oft gibt es Planspiele mit festem Zeitraum, an denen Klassen teilnehmen.
- Bücher und Podcasts. Es gibt gute Einführungen für Einsteiger. Achte darauf, dass sie Grundlagen erklären und nicht Produkte verkaufen; Verlage und öffentlich-rechtliche Sender sind ein sichererer Anfang als Kanäle, die von Affiliate-Links leben.
- Spielgeld statt Geld. Ein Musterdepot, ein Planspiel oder ein Börsenspiel mit Freunden zeigt dir, wie Kurse sich anfühlen, ohne dass etwas auf dem Spiel steht. Welche Arten es gibt, steht im Artikel Börsenspiel-App: Welche Arten es gibt.
- Mit anderen. Allein liest man drei Tage und hört auf. In einer Gruppe, die jede Woche fünf Aktien aufstellt, redet man über Firmen, Nachrichten und Fehler. Wie das geht: Aktien-Spiel mit Freunden.
- Die Nachrichten mitlesen. Such dir fünf Firmen, die du kennst, und lies vier Wochen lang, was über sie geschrieben wird. Du wirst merken, wie oft der Kurs auf Dinge reagiert, die mit dem Produkt nichts zu tun haben.
Ab wann echtes Geld?
Ein eigenes Depot können Minderjährige in Deutschland nur zusammen mit ihren Eltern eröffnen; ab 18 geht es allein. Bis dahin ist Spielgeld nicht die Notlösung, sondern der richtige Platz zum Lernen: Du kannst Fehler machen, die nichts kosten, und du findest heraus, ob dich das Thema überhaupt interessiert, bevor Geld im Spiel ist. Und wer später echtes Geld anlegt, tut das meistens nicht mit fünf Aktien pro Woche, sondern mit breiter Streuung und langem Atem. Das Spiel lehrt die Begriffe, nicht die Strategie.
In eigener Sache: Die Akademie in Kumpano
Kumpano ist eine iPhone-App, in der Freundeskreise jede Woche fünf echte Aktien aufstellen und freitags nach echten Kursen abrechnen, mit Spielgeld, kostenlos und ab 13 Jahren. Dazu gehört eine Akademie mit 61 Lektionen in neun Themen und drei Stufen (Anfänger, Fortgeschritten, Profi), jede zwei bis fünf Minuten lang, mit einem kleinen Quiz am Ende. Die erste Lektion, „Was ist eine Aktie?“, kannst du auf der Akademie-Seite direkt durchspielen. Die Börse in der App öffnet sich ab 1.000 Lernpunkten, nach zwei vollen Wochenaufstellungen oder ab 3.000 Pokalen: ein Depot mit 10.000 Euro Spielgeld, in dem du kaufst und verkaufst, wann du willst, und siehst, wie du gegen den S&P 500 liegst. Mehr dazu auf der Startseite.
Kumpano ist ein Spiel und keine Anlageberatung. Die App vermittelt keine Wertpapiere, nimmt keine Einsätze an und gibt keine Kaufempfehlungen.
Quellen
- Bundesverband deutscher Banken, Jugendstudie 2024: Finanzbildung mit Defiziten (23. November 2024): https://bankenverband.de/finanzbildung/jugendstudie-2024-finanzbildung-mit-defiziten
- Deutsches Aktieninstitut, Aktionärszahlen 2025 (13. Januar 2026): https://www.dai.de/aktionaerszahlen-2025-aktienanlage-im-aufwind